IoMT – Chancen und Risiken im Digitalen Gesundheitswesen

Dank Digitalisierung besser durch Krisen? Das sagen KMUs

In herausfordernden Zeiten wird es besonders deutlich: Das Internet of Medical Things (IoMT) boomt. Patienten informieren sich über das Internet, sie nutzen Wearables und Apps, um ihre Gesundheitsdaten zu erfassen und auszuwerten. Ärzte bieten Dienstleistungen über das Internet an. Das Potenzial von IoT-Technologien hat die Gesundheitsbranche also längst erreicht, die Digitalisierung des Gesundheitswesens ist im vollen Gange: Laut einer Studie der Wirtschaftsberatung Deloitte wird der IoMT-Marktwert bis 2022 von aktuell 41,2 Milliarden US-Dollar auf global über 158 Milliarden US-Dollar steigen. IoMT trägt dazu bei, wichtige aktuelle Herausforderungen im Gesundheitssystem zu bewältigen: Den aktuellen Mangel an medizinischem Fachpersonal, die Betreuung chronischer Krankheiten, eine ganze Reihe präventiver Gesundheitsmaßnahmen und auch die Vereinfachung administrativer Vorgänge. Über mit Sensoren ausgestattete Geräte läuft mittlerweile problemlos die einfache Erfassung und Übertragung medizinischer Daten, die nicht nur zeitnahe und präzise Diagnosestellungen, sondern auch medizinische Fernbehandlungsoptionen ermöglichen. Dabei nimmt die Akzeptanz dieser technischen Innovation stetig zu, und zwar auf Mediziner- und auf Anwenderseite. Patienten können heutzutage über einfach zu bedienende, anwenderfreundliche IoMT-Lösungen ihre Krankheitsindikatoren genau überwachen, unabhängig von medizinischem Fachpersonal. So sind beispielsweise chronisch Kranke bzw. Risikopatienten in der Lage, ihren Alltag unabhängiger und sicherer zu bewältigen.

 

Hier einige Beispiele für innovative IoT-Lösungen im Gesundheitswesen:

  • Vernetzte medizinische Geräte wie MRT und CT-Scanner

  • Tragbare medizinische Geräte zur Fernüberwachung von Patienten

  • Video-Sicherheitskameras und elektronische, ID-fähige Sicherheitstüren

  • Objektverfolgung in der Medizin, die mithilfe von Bluetooth Low Energy (BLE) den Standort von medizinischen Geräten und Sanitätsartikeln überwacht.

  • Präventive Instandhaltungssysteme für die medizinische Ausrüstung, um den ungeplante Ausfall von Werkzeugen, Geräten und Systemen zu verringern.

 

Digitale Healthtech-Lösungen: Fünf Schlüsselbereiche

In den folgenden fünf Bereichen machen sich die positiven Auswirkungen moderner digitaler Healthtech-Lösungen besonders bemerkbar:

 

1. Senkung des Infektionsrisikos

Laut dem Europäischen Zentrum zur Kontrolle und Prävention von Krankheiten (ECDC) treten jedes Jahr europaweit 9 Millionen Fälle von sogenannten „mit dem Gesundheitswesen verbundenen Infektionen“ (HAIs - healthcare associated infections) auf, verursacht durch Bakterien und Viren im Zuge medizinischer Behandlungen. Auch in jedem Warteraum können sich Menschen bei anderen Patienten anstecken, was speziell für Risikopatienten oder chronisch Kranke lebensbedrohlich sein kann. Werden solche Patienten nicht mehr ausschließlich in Kliniken oder Arztpraxen untersucht, sondern über Routine-Checks per Fernüberwachung, kann man das Ansteckungsrisiko erheblich senken. Besonders im Hinblick auf die aktuelle Covid-19-Pandemie ist dies eine überlegenswerte Alternative zum klassischen Arztbesuch.

 

2. Verbesserung der Diagnosegenauigkeit

Künstliche Intelligenz (KI) und Algorithmus-basierte Datenanalysefunktionen ermöglichen die Entwicklung innovativer IoMT-Anwendungen. Dabei unterstützt die enorme Menge gesammelter Daten die Beurteilung und Diagnose von Patienten. Ein Beispiel: Ki-Lösungen sind in der Lage, die Erfassung erkannter Arrhythmien, wie bei einem Vorhofflimmern, bei einer großen Patientenanzahl erheblich zu verbessern. Dadurch verringert sich die Anzahl falscher Befunde signifikant – was nicht nur die Diagnosequalität unterstützt, sondern auch den Zeit- und Arbeitsaufwand für medizinisches Personal verringert.

 

3. Präventive Früherkennung

Patienten können mit modernen Medizintechnikgeräten ihre Herz-Kreislaufwerte oder Atemwegs- und Stoffwechselerkrankungen (wie beispielsweise Diabetes) überwachen und die Daten sicher mit ihren behandelnden Ärzten teilen. Eine Maßnahme, die Leben retten kann: Schlaganfälle sind mit einer jährlichen Sterblichkeitsrate von etwa 5,5 Millionen Menschen die zweithäufigste globale Todesursache. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) könnten bis zu 80% der Schlaganfälle durch eine Überwachung der Hauptrisikofaktoren – arterielle Steifheit, Vorhofflimmern (AFib) und Bluthochdruck - verhindert werden.

 

4. Geringere Gesundheitskosten

Die Überwachung von Biosignalen und Krankheitsindikatoren, kombiniert mit präventiven Maßnahmen, reduziert nicht nur medizinische Risiken. Sie kann auch wahrscheinliche Krankenhausaufenthalte und daraus entstehende teure Behandlungen reduzieren. Positiver Nebeneffekt: Das medizinische Personal investiert dementsprechend weniger Zeit in administrative und datenbezogene Arbeit. Zeit die es nun für die Pflege und Beratung der Patienten nutzen kann. Das Beratungsunternehmen McKinsey schätzt in diesem Zusammenhang im Rahmen einer Studie, dass man 2018 im deutschen Gesundheitswesen bis zu 34 Milliarden Euro hätte einsparen können – eine vollständige Digitalisierung vorausgesetzt.

 

5. Verbesserung des Personalmangels

IoMT-Lösungen können nicht nur Kosten senken, sondern auch den wachsenden Personalmangel im Gesundheitsbereich lindern. Gerade ländliche Gebiete sind mittlerweile oft nicht mehr ausreichend mit medizinischem Fach- und Pflegepersonal versorgt. Moderne IoMT-Lösungen können den fehlenden Bedarf zu einem gewissen Teil ausgleichen und dazu beitragen, die Herausforderungen zu bewältigen und zugleich Gesundheitsrisiken zu verringern.

 

Risikofaktoren im IoMT – Data Security First!

Experten sprechen mittlerweile von einer Daten- und Cloudrevolution im Ökosystem des Gesundheitswesens. Medizintechnikunternehmen werden im Zuge der Digitalisierung in ihrer Branche quasi zu IT-Unternehmen – eine Entwicklung, die für sie mit großen Herausforderungen verbunden ist: Oft sehen sie sich mit großen Wissenslücken konfrontiert in Bezug auf die Skalierung von Clouds, den Umgang mit Cybersicherheit, digitaler Gesundheit und Interoperabilität. Und sie haben Recht, denn IoT bringt auch im Gesundheitswesen eine noch nie dagewesene Datenmenge mit sich, die die Netzwerkinfrastrukturen vor große Herausforderungen stellt.

 

Gegen die erhöhten Sicherheitsrisiken gibt es allerdings wirkungsvolle Maßnahmen: Unternehmen sollten ihre herkömmlichen Netzwerkdesigns anpassen, um die neuesten Standards an Netzwerkintelligenz, Automatisierung und Sicherheit zu gewährleisten. Krankenhäuser, Kliniken und Pflegeeinrichtungen benötigen eine effektive Netzwerkinfrastruktur, die Sicherheits- und Datenschutzbestimmungen einhält, gleichzeitig aber dabei einfach zu handhaben und zu betreiben ist.

 

Folgendes sollte die passende Infrastruktur leisten:

  • Einfache und automatisierte Prozess für das Hinzufügen von IoT-Geräten bereitstellen: Dies ermöglicht es der Netzwerkinfrastruktur, Geräte dynamisch zu erkennen und sie entsprechend gesichert zuzuordnen.

  • Die richtigen Netzwerkressourcen für ein effizientes IoT-System einsetzen.

  • Für eine sichere Netzwerkumgebung gegen Cyber-Angriffe und Datenverlust sorgen.

 

Fazit: IoMT – die digitale Revolution im Gesundheitswesen

Das Internet of Medical Things bringt eine Vielzahl innovativer Anwendungen hervor, die das Gesundheitswesen revolutionieren werde. All diese digitalen Technologien können bei den großen Herausforderungen helfen, mit denen sich so gut wie alle globalen Gesundheitssysteme konfrontiert sehen: Mediziner und Ärzte müssen immer mehr ältere und chronisch kranke Menschen behandeln, medizinische Innovationen erfordern gewaltige finanzielle Budgets, die medizinische Versorgung strukturschwacher ländlicher Gebiete soll gesichert bleiben – im Zuge der Digitalisierung des Gesundheitswesens gibt es viele neue Lösungsansätze, die vor einigen Jahren noch undenkbar schienen. IoT-Lösungen für das Gesundheitswesen machen medizinische Organisationen intelligenter und patientenfreundlicher. 

 

IoMT verbindet auf intelligente Weise Mobilität, Automatisierung und Datenanalyse – und verändert grundlegend das Prozedere, wie Krankenhäuser, Kliniken und Pflegeeinrichtungen Daten und Informationen sammeln. IoMT hat auf diese Weise das Potenzial, komplett neu zu definieren, wie sich Menschen, Technik und Geräte miteinander vernetzen. Im Idealfall sind die Ergebnisse: eine bessere Versorgung, geringere Kosten und bessere Ergebnisse. Voraussetzung dafür sind allerdings eine ausreichende technologische Infrastruktur, kompetente Experten bei der Umsetzung und genügend Know-how in der täglichen Anwendungspraxis: Dieser Dreiklang garantiert eine sichere Verarbeitung der sensiblen Patientendaten.

 


veröffentlicht am : 2020-08-25 11:00


Kontakt